Hier berichten wir über Wissenswertes in und um unsere Schwimmschule, zu und verlinken wissenswerte Artikel rund ums Schwimmenlernen bzw. zu unseren anderen Kursangeboten.
Kinder, die vor 5 Jahren schwimmen können, haben Gleichaltrigen etwas voraus
- Martha Lontke
- 05.11.2026
- Presseartikel
„Nicht zu unterschätzen“: Kinder, die vor fünf schwimmen können, haben Gleichaltrigen etwas voraus
FR:04.11.2026, 04:58 Uhr
Von: Sophia Sichtermann
Sport hat einen speziellen Einfluss auf die kognitive Entwicklung. Zwei Fachleute aus der Sportwissenschaft erklären, worauf Eltern achten sollten.
Hamburg – Welche Sportart ist die Beste für mein Kind? Die Frage beschäftigt viele Eltern – schließlich ist bekannt, wie wichtig Bewegung für Körper und Geist ist. Eine Studie der australischen Griffith University untersuchte 7.000 Kinder. Das Ergebnis: Wer schon vor dem fünften Geburtstag schwimmen kann, ist Gleichaltrigen kognitiv zwischen sechs und 15 Monaten voraus. Die Kinder zählten und rechneten besser und konnten Anweisungen leichter folgen. Als möglicher Grund gelten die besonderen Bewegungsabläufe beim Schwimmen.
Schwimmen bringt ungewohnte Sinnesreize mit sich – das trägt zur Hirnentwicklung bei.
Diese Bewegungen sind beim Schwimmen entweder symmetrisch, wie beim Brustschwimmen, oder wechselseitig, wie beim Kraulen. Dadurch wird die Koordination der Kinder trainiert. „Beim Schwimmen gehen diese Sinneswahrnehmungen in erster Linie von der kinästhetischen Wahrnehmung aus. Kinästhetische Wahrnehmung beschreibt das Körpergefühl für die eigene Bewegung. Im Wasser werden Bewegungsimpulse gesetzt, die Kinder beim Spielen an Land so nicht erfahren“, sagt Renate Zimmer der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Die Erziehungswissenschaftlerin ist auf frühe Kindheit spezialisiert und war langjährig Professorin für Sportwissenschaft.
Expertin erklärt: Wie Schwimmen die Synapsenbildung bei Kindern fördert
Die Expertin betont: „Schwimmen macht nicht per se intelligent. Aber Bewegung im Wasser bringt ungewohnte Sinneserfahrungen mit sich.“ Der Körper werde dabei in einer ungewohnten Lage und Position wahrgenommen. Diese Reize fordern das Gehirn zu Anpassungsleistungen heraus: Nervenzellen werden aktiviert, neue Synapsen bilden sich. Zusätzlich wirke das Wasser stimulierend auf das Gleichgewichtsorgan – und genau dieses Gleichgewicht sei wichtig, um Prozesse der Gehirnentwicklung anzustoßen.
Besonders aufnahmefähig für Bewegungsreize ist das Gehirn laut Zimmer in den ersten zwei bis drei Lebensjahren. Deshalb sei auch Babyschwimmen ab dem achten Monat sinnvoll. Babyschwimmen sei demnach „hervorragend: Das Baby liegt im warmen Wasser, hat Kontakt zu den Eltern – das alles intensiviert die Netzwerkbildung im Gehirn“, sagt Zimmer.
Auch Dennis Dreiskämper, Sportwissenschaftler und Professor für Sportpsychologie, bestätigt diesen Effekt. „Beim Schwimmen werden komplexe Bewegungen ausgeführt, die Kinder erst erlernen müssen. Sie verbessern die exekutiven Funktionen des Gehirns“, sagt Dreiskämper der Frankfurter Rundschau. Grundsätzlich sei aber jede Bewegung für Kinder förderlich, fügt er hinzu. „Ausdauersportarten und Sportspiele sind ebenso wertvoll wie gezielte Bewegungsangebote für Kinder.“ Sein Rat an Eltern: Kinder sollten möglichst viel ausprobieren und sowohl Mannschafts- als auch Individualsportarten kennenlernen.
Entscheidend sei vor allem, dass Kindern der Sport Spaß macht. „Das Gehirn lernt besser, wenn die Motivation intrinsisch ist. Ob Schwimmen oder Fußball – das Motiv muss passen. Was keinen Spaß macht, vergisst man schneller“, sagt Dreiskämper. Autonomes Lernen und das Gefühl, eigene Fähigkeiten auszubauen, seien laut dem Experten „nicht zu unterschätzen“.
Dennoch verlassen viele Jugendliche die Vereine, in denen sie als Kinder aktiv waren. „Viele Jugendliche verlieren im frühen Jugendalter den Anschluss an den organisierten Sport. Der Drop-out-Trend verstärkt sich – besonders bei Mädchen und Jugendlichen aus sozial schwachen Quartieren“, sagt Dreiskämper. Die bestehenden Sportangebote würden demnach oft nicht dem entsprechen, was sich diese Zielgruppen wünschen.
Schulsport in Deutschland schöpft sein Potenzial nicht aus
Umso wichtiger sind gute Konzepte für den Schulsport. „Der Schulsport sollte sich besonders um die Kinder bemühen, die durch Vereinsaktivitäten nicht ohnehin schon vielfältige Bewegungserfahrungen machen“, sagt Zimmer. Sport und Bewegung fördern laut der Expertin Selbstständigkeit und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten – Eigenschaften, die auch in anderen Schulfächern eine Rolle spielen.
Laut Dreiskämper profitieren Kinder aus bildungsfernen und einkommensschwachen Familien sowie Mädchen besonders stark von gezielter Bewegungsförderung. Der Ganztag biete dafür eine gute Ausgangslage. Sein Potenzial sollte jedoch „systematischer und qualitativ hochwertiger“ genutzt werden. Dafür fehlten allerdings klare Standards.
„Schulen werden alleingelassen: Es gibt kaum klare und einheitliche Vorgaben, welche Angebote wie geschult sein müssen“, kritisiert der Sportwissenschaftler. Initiativen wie das Startchancen-Programm in NRW oder die Kinderturnstiftung in Baden-Württemberg seien demnach „ein Anfang“. Insgesamt werde aber zu viel an Schulen und Sportbünde abgeladen. Viele Vereine würden dadurch nicht erreicht – eine große Chance bleibe ungenutzt. (Quellen: Griffith-Studie, eigene Recherche)
hier ist dieser Artikel erschienen: https://www.fr.de/panorama/nicht-zu-unterschaetzen-kinder-die-vor-fuenf-schwimmen-koennen-haben-gleichaltrigen-etwas-voraus-94572436.html
Kategorien
Top Neuigkeiten
Kinder, die vor 5...
„Nicht zu...
Kontakt: